Sexualberatung und Sexualtherapie

"Tu deinem Leib Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen"
Teresa von Avila, spanische Mystikerin

Sexualität ist eine der wesentlichen menschlichen Grundbedürfnisse. Sexualität hat für die meisten Menschen eine große Bedeutung im Hinblick auf ihre allgemeine Lebenszufriedenheit. Nicht umsonst ist das Thema Sexualität in den Medien allgegenwärtig und das Gesprächsthema Nummer Eins. Allzuoft werden hohe Erwartungen an Sexualität geknüpft und umso größer ist die Enttäuschung, wenn sie nicht erfüllt werden.

Was Sexualität so kompliziert macht, ist, dass sie sich kaum willentlich beeinflussen lässt. Unsere Gefühlswelt und speziell unser Liebesleben werden von einem sehr alten Teil unseres Gehirns dirigiert, dem limbischen System. Dieses kümmert sich nicht um unsere Lebensqualität, also darum, ob wir glücklich sind, sondern konzentriert sich auf drei evolutionäre Ziele: unser eigenes Überleben, das Überleben der Spezies durch genetische Vielfalt und die Gewährleistung für das Aufziehen unseres Nachwuchses.

Neben diesen genetischen Faktoren spielen auch gesellschaftliche und familiäre Einflüsse eine große Rolle, wie wir unsere eigene Sexualität erleben und wie wir sie ausdrücken. Destruktive Einflüsse sind u.a.frühkindliche traumatische Erfahrungen, verletzende Erfahrungen wie sexuelle Übergriffe, Mobbing usw. und körperliche Probleme. Sexualität birgt also ein großes Potential an Freude aber auch an Problemen und Störungen. Eine Sexualberatung oder Sexualtherapie hilft Betroffenen bei Schwierigkeiten mit dem eigenen Sexualleben.

Da Sexualität in der Regel auf einen Partner gerichtet und ein sehr wesentlicher Bestandteil einer Beziehung ist, können ungelöste sexuelle Probleme langfristig eine Beziehung beeinträchtigen. Aus diesem Grund ist Sexualberatung oder Sexualtherapie oft Bestandteil von Paartherapie.

Was ist Sexualberatung?

Eine Sexualberatung ist meist der erste Schritt zur Lösung von sexuellen Problemen. Sie verhilft dem Ratsuchenden zu mehr Klarheit bezüglich seiner Probleme und gibt ihm eine erste Hilfestellung. Sexualberatung kann im Rahmen einer Paartherapie, eines Einzelgesprächs oder in einer Gruppe erfolgen. Die Methoden reichen von Gesprächen über systemische Aufstellungen und Partnerschaftsseminare bis hin zu körperorientierten Übungen wie Tantraseminare oder Massageworkshops. Die Bezeichnung Sexualberater ist keine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung. Oft handelt es sich um Psychotherapeuten, psychologische Heilpraktiker oder speziell ausgebildete Trainer mit entsprechenden Qualifikationen. Während einer Beratung wird auch geklärt, ob eine Sexualtherapie erforderlich ist.

Was ist Sexualtherapie?

Lässt sich ein Problem nicht im Rahmen einer Sexualberatung lösen, wird meist als nächster Schritt eine Sexualtherapie vorgeschlagen. Seuxualtherapie beschäftigt sich intensiver mit den Ursachen einer sexuellen Störung. Sexualtherapie wurde in den 1960er Jahren von den amerikanischen Forschern William Masters (Gynäkologe) und Virginia Johnson (Psychologin) begründet. Masters und Johnson hatten sich zuvor viele Jahre erstmals mit der Erforschung des sexuellen Verhaltens beschäftigt. Sexualtherapie legt den Fokus auf die Wiederherstellung der Sexualkontakte in einer Beziehung bzw. die individuelle Aufarbeitung der Ursachen einer sexuellen Störung. Die Behandlung erfolgt nicht auf organischer Ebene, sondern ausschließlich mit psychologischen Mitteln. Sollte eine Behandlung auf organischer Ebene notwendig sein, wird zu einem Facharzt überwiesen. Häufig angewandte und von den Krankenkassen anerkannte Verfahren sind die Verhaltenstherapie, die Gesprächstherapie, die Psychoanalyse und die Tiefenpsychologie. Die Bezeichnung Sexualtherapeut ist keine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung. Meist handelt es sich um ausgebildete Mediziner, Psychologen oder Sozialpädagogen, die sich durch Weiterbildung auf den Bereich Sexualtherapie spezialisiert haben.

Was ist Sexualpädagogik?

Sexualpädagogen vermitteln Wissen über Themen wie Liebe, Gefühle, Fortpflanzung, körperliche Entwicklung, männliche und weibliche Körper, Erotik und allen Formen der Sexualität, sexueller Lust und Selbstbefriedigung. Sie arbeiten sowohl im Kinder- und Jugendlichenbereich als auch in der Erwachsenenbildung. Die Sexualpädagogik überschneidet sich stark mit der Sexualberatung, ihr Schwerpunkt liegt auf der theoretischen und praktischen Wissensvermittlung. Sexualpädagogen sind meist ausgebildete Pädagogen mit Fortbildungen im Bereich der Sexualpädagogik, aber auch Praktizierende mit Expertenwissen in bestimmten Bereichen.

Themen einer Sexualberatung oder Sexualtherapie

Fragen rund um die Sexualität beschäftigen uns Menschen seit Generationen. Obwohl wir in einer freizügigen Gesellschaft leben, in der es kaum noch sexuelle Tabus gibt, sind die eigenen sexuellen Bedürfnisse, Gefühle und Wünsche ein sehr intimer und sensibler Bereich geblieben, über den wenig gesprochen wird. Ein erster wichtiger Schritt bei sexuellen Störungen ist es deshalb die Probleme in Worte zu fassen. Die folgenden Erscheinungsformen sexueller Störungen treten häufig auf:

  • ein fehlende Partner für das Erleben der Sexualität
  • Libidoschwäche oder Lustmangel (Mangel oder Verlust des sexuellen Verlangens)
  • Vorzeitige Ejakulation durch fehlende Kontrolle (Ejaculatio praecox)
  • Vaginismus und Dyspareunie (Verkrampfung der vaginalen Muskulatur)
  • Orgasmusstörungen (ausbleibender oder verzögerter Orgasmus)
  • Sexsucht (gesteigertes sexuelles Verlangen)
  • Erektionsstörungen (Impotenz)
  • Sexualphobie (Ekel und Furcht vor dem Geschlechtsverkehr)
  • Unerfüllter Kinderwunsch
  • Körperliche und medizinische Störungen (z.B. ausgelöst durch Alkohol- oder Drogenmißbrauch, Übermüdung, Stress und berufliche Überforderung, Medikamente, Rauchen, Hormonstörungen, Prostataoperationen (hier ist die Zusammenarbeit mit einem Arzt notwendig)
  • Störungen der Geschlechtsidentität (Transgender)
  • Leidensdruck bei Paraphilien (Exhibitionismus, Fetischismus, Voyeurismus, Sadomasochismus, Sodomie usw.)

Anamnese 

Vor Beginn einer Sexualtherapie stellt der Therapeut eine sorgfältige Anamnese und Diagnose. Dieses erfolgt in einer oder mehreren Sitzungen mit dem Betroffenen, mitunter auch zusammen mit dem Partner. Folgende Elemente sind meist Bestandteil einer Untersuchung

  • Sexualanamnese (Geschichte und Erfahrungen der eigenen sexuellen Entwicklung)
  • Familienanamnese (Beziehung zu Vater und Mutter und zu Geschwistern, Beziehung der Eltern, Vorbilder, religiöse Körperfeindlichkeit, tabuisierende Werte und Normen, Umgang mit Angst und Schuld, frühe Sexualisierung und andere prägende Erlebnisse)
  • aktuelle Beziehung (Kennenlernen, weiterer Verlauf, aktueller Stand)
  • aktuelles Sexualleben (Lust, Erregung, Kontakt, Orgasmus)

Desweiteren klärt der Therapeut, ob der sexuellen Problematik eine psychische Erkrankung zugrunde liegt, wie beispielsweise eine Depression, Psychose, Angststörung, Persönlichkeitsstörung oder Suchterkrankung. Ob diese im Rahmen der Sexualtherapie behandelt werden kann oder vorab medizinisch und/oder psychotherapeutisch versorgt werden muss. Im Rahmen der Behandlung einer Grunderkrankung können dann auch die sexuellen Probleme thematisiert werden.